Steuererklärung als Student

Warum sich die freiwillige Erstellung einer Steuererklärung lohnen kann

15. April 2020

Studenten sind in der Regel nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Da das Studium jedoch mit einigen Kosten verbunden ist, fragen sich viele, ob sie ihre Aufwendungen steuerlich absetzen können. Warum sich die freiwillige Erstellung einer Steuererklärung für Studenten lohnen kann, erfahren Sie hier.

Steuererklärung für die Zweitausbildung

Grundsätzlich gilt: Überschreitet die Höhe des Einkommens eines Studenten nicht die Grenze des Grundfreibetrags, muss er keine Steuern zahlen. Für das Jahr 2020 liegt die Grenze bei 9.408 Euro. Studenten können jedoch mit einer freiwilligen Steuererklärung die Kosten für ihre zweite Ausbildung absetzen. Diese Regelung betrifft zum Beispiel Masterstudenten, aber auch Studenten mit einer zuvor abgeschlossenen Ausbildung.

Durch die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung lassen sich die Kosten für das Zweitstudium als Werbungskosten absetzen – auch wenn Sie als Student noch keine eigenen Einkünfte erzielt haben. In letzterem Fall ist ein Verlustvortrag möglich. Das bedeutet, dass Studenten die finanziellen Verluste bzw. Aufwendungen, die durch das Studium entstehen, in die nächsten Jahre vortragen können. Das geht solange, bis sie selber Einkünfte erzielen, indem sie zum Beispiel ihren ersten Job beginnen. Die sogenannten vorgetragenen Werbungskosten werden dann in diesem Jahr mit den gezahlten Steuern verrechnet.

Im Übrigen gilt die Möglichkeit einer Verrechnung von Verlustvorträgen auch für Auszubildende, die sich in einer Zweitausbildung oder einer Ausbildung innerhalb eines Dienstverhältnisses befinden.

Steuererklärung für das Erststudium?

Bei Studenten im Erststudium und Auszubildenden in einer Ausbildung außerhalb eines Dienstverhältnisses sieht die Sache anders aus: Sie können zwar Kosten, die durch ihr erstes Studium bzw. ihre erste Ausbildung anfallen, per Steuererklärung absetzen. Allerdings behandelt das Finanzamt diese Kosten als Sonderausgaben.

Sonderausgaben versus Werbungskosten

Sonderausgaben sind auf 6.000 Euro jährlich begrenzt und mindern nur den Steuerbetrag in dem Jahr, in dem sie gezahlt wurden. Eine Geltendmachung eines Verlustvortrags wie bei den Werbungskosten ist nicht möglich. Erzielen Studenten also in dem Jahr, in dem ihre Ausgaben anfallen, keine steuerpflichtigen Einkünfte, erhalten sie keine Steuererstattung.

Im vergangenen Jahr prüfte das Bundesverfassungsgericht, ob die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Studenten im Erst- und im Zweitstudium gegen das Grundgesetz verstößt. In einer Pressemitteilung teilte das Bundesverfassungsgericht am 10. Januar 2020 seinen Beschluss mit, dass sich die Kosten des Erststudiums sowie der Erstausbildung weiterhin nur als Sonderausgaben absetzen lassen.

Anrechenbare Studienkosten

Diese Aufwendungen rechnet das Finanzamt unter anderem an:

  • Studiengebühren
  • Zinsen für einen Studienkredit
  • Semesterbeiträge inklusive Betrag für das Semesterticket sowie weitere Fahrtkosten für den Weg zur Universität, zu Lerngemeinschaften und zum Praktikum
  • Ausgaben für Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Büromaterial und Notebook
  • Kosten für Exkursionen und Auslandssemester
  • Ausgaben für Druck und Bindung von Abschlussarbeiten
 

Wichtig: Für viele Aufwendungen gelten Höchstgrenzen und Pauschalen. Außerdem sollten Studenten ihre Quittungen gut aufbewahren. Zwar müssen Sie Ihrer Steuererklärung keine Belege mehr beifügen, doch besteht für geltend gemachte Ausgaben eine Belegaufbewahrungspflicht. Das Finanzamt kann nämlich einen Nachweis fordern.

Hinweis auf Beratung: Dieser Artikel gibt nur Anregungen sowie kurze Hinweise und erhebt damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen können eine persönliche Beratung durch einen Steuerberater, Steuerbevollmächtigten, Rechtsanwalt (insbesondere Fachanwalt für Steuerrecht), Wirtschaftsprüfer oder einen Lohnsteuerhilfeverein nicht ersetzen.

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