Studienabbruch – was nun?

Das Studium ohne Examen zu beenden muss kein Scheitern bedeuten

28. Februar 2019

Was haben Wolfgang Joop, Herbert Grönemeyer und Günther Jauch gemeinsam? Sie haben Ihr Studium abgebrochen, sich für die Praxis entschieden und sind sehr erfolgreich geworden. Doch auch ohne das Streben nach Prominenz eröffnen sich für Studienzweifler zahlreiche Perspektiven in verschiedenen Berufen.

Ein Studienabbruch ist manchmal unumgänglich

Wenn Sie Ihr Studium aufgeben, können Sie vielerlei Gründe dafür haben. Falsche Vorstellungen von den Inhalten und Studienbedingungen, finanzielle Probleme oder einfach Überforderung. So bricht ein Drittel der Studenten einen Bachelorstudiengang ab, teilweise unfreiwillig. Werden beispielsweise Fristen durch längere Krankheit versäumt oder Prüfungen mehrmals nicht bestanden, droht die Zwangsexmatrikulation. Als Versager müssen Sie sich dabei jedoch nicht fühlen. Denn auch ohne Studium stehen Ihnen viele Möglichkeiten offen.

Nur Mut: Es gibt ein Leben nach dem Studium

Verlockend ist zum Beispiel die Möglichkeit, direkt ins Arbeitsleben einzusteigen und einen Studentenjob zum Vollzeitjob zu machen. Allerdings sollte Ihnen dabei bewusst sein, dass Sie als Studienaussteiger ohne Zusatzqualifikation weniger Entwicklungschancen haben als wenn Sie eine duale Ausbildung absolvieren. Ein berufsqualifizierender Abschluss schützt vor Arbeitslosigkeit und eröffnet auch ohne Studium Fortbildungsmöglichkeiten. Sogar staatlich geförderte Auslandsaufenthalte sind nicht nur Studenten vorbehalten.

Nach Zeiten des Zweifelns den lukrativen Neustart wagen

Mit einer dualen Berufsausbildung können Sie durchstarten, denn Ihre Verdienstmöglichkeiten nach einer Ausbildung und insbesondere nach einer zusätzlichen Fortbildung lassen sich durchaus mit dem Gehalt von Akademikern vergleichen. Ein Studium lohnt sich nicht per se – es kommt dabei auf die Fachrichtung an. So können Sie zum Beispiel im Versicherungswesen oder in der Buchhaltung deutlich höhere Löhne erzielen als Geisteswissenschaftler, die sich durch ihr Examen für eine bestimmte Branche qualifiziert haben.

Betriebe suchen zukünftige Fachkräfte auch unter Studienaussteigern

Ausbilder schätzen ehemalige Studenten als entscheidungsfreudig, weil sie wissen, was sie nicht (mehr) wollen. Chefs trauen ihnen deshalb oft Führungsaufgaben oder sogar die Unternehmensnachfolge zu. Denn aufgrund ihrer Studienkenntnisse haben sie jüngeren Schulabgängern meist einiges voraus. Berichten Sie daher in Vorstellungsgesprächen über das, was Sie aus dem Studium an Fachwissen oder Lernstrategien mitbringen. Damit können Sie einen potentiellen Arbeitgeber von sich überzeugen. Schließlich ist das Anforderungsprofil vieler Ausbildungsberufe zum Teil sehr hoch – zum Beispiel beim Hörgeräteakustiker. So profitieren ehemalige Studenten auch im Berufsschulunterricht von ihrem Studium – entweder fachlich oder in Bezug auf Lernbereitschaft und Selbstorganisation.

Verkürzte Ausbildungszeit durch Anrechnung von Studienleistungen

Wenn Sie sich für eine Ausbildung entscheiden, die Ihrem Studienfach inhaltlich nahesteht, können Sie sich Studienleistungen anrechnen lassen und die Ausbildung verkürzen. In seltenen Fällen lassen die Industrie- und Handelskammern oder die Handwerkskammern Studienabbrecher sogar unmittelbar zur Externenprüfung zu. Bei der Aufstiegsfortbildung können Sie dann Ihren Meistertitel, die Qualifikation als Fachwirt oder Ihren Abschluss als staatlich geprüfter Techniker erwerben. Besonders Ehrgeizige können in einigen Berufen bereits während der Ausbildung Teile der Meisterprüfung ablegen.

Eine Neuorientierung ist häufig möglich

In vielen Branchen ist Fachkräftemangel mittlerweile ein wichtiges Thema und Firmen suchen händeringend Azubis. Wenn Sie gern handwerklich arbeiten, wären vielleicht auch ungewöhnliche Berufe wie Kerzenhersteller oder Maskenbildner etwas für Sie. Für Sportinteressierte käme eine Beschäftigung als Fachangestellter für Bäderbetriebe oder als Segelmacher in Frage. Der Beruf des Sport-und Fitnesskaufmanns bietet eine Kombination aus körperlicher Arbeit und kaufmännischer Tätigkeit. Am Schreibtisch arbeiten nicht nur Bürokaufleute, sondern auch Patentanwaltsfachangestellte und Kaufleute für audiovisuelle Medien. Den passenden Beruf finden Sie also vielleicht auch, indem Sie mit Ihrer ehemaligen Fachrichtung brechen und aus dem großen Angebot von 327 Ausbildungsberufen wählen.

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