Beschäftigte profitieren vom Mindestlohn

Branchenübergreifende Lohnerhöhung

23. August 2017

Seit 2015 gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn, um der steigenden Armut und Lohnungleichheit entgegenzuwirken. Der Mindestlohn ist zum 1. Januar 2017 erstmals von 8,50 Euro auf 8,84 Euro pro Stunde erhöht worden.

Ausnahmen vom Mindestlohn

Vor der Einführung des Mindestlohnes bezogen 5,5 Millionen Beschäftigte weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Mittlerweile sind laut Statistischem Bundesamt nur noch eine Million Menschen vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen. Für Branchen mit Tarifverträgen gilt noch bis Ende dieses Jahres eine Übergangsfrist. Danach erhalten auch Arbeitnehmer in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau sowie Fleischwirtschaft den Mindestlohn. Generell gilt der Mindestlohn auch für Praktikanten. Davon ausgenommen sind ausbildungs- beziehungsweise studienbegleitende Pflichtpraktika und freiwillige Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern. Selbstständige, Auszubildende und Minderjährige haben laut Gesetzgebung weiterhin keinen Anspruch. Aufträge auf Honorarbasis sind ebenso vom Mindestlohn ausgeschlossen.

Ostdeutsche und Frauen beziehen eher Mindestlohn

Insgesamt erhielten letztes Jahr knapp zwei Millionen Menschen den gesetzlichen Mindestlohn. Er kommt vor allem in den ostdeutschen Bundesländern zum Tragen. Für elf Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in Ostdeutschland gilt der Mindestlohn. In Westdeutschland hatte er nur Auswirkung auf vier Prozent der Arbeitsplätze. Verdienstunterschiede sind auch am Geschlecht auszumachen: Der Anteil an Frauen, die den Mindestlohn beziehen, liegt bei über 60 Prozent. Bei Männern sind es unter 40 Prozent. Damit sind auch die Einkommen im Niedriglohnbereich leicht gestiegen, was überwiegend den weiblichen Beschäftigten zugutekommt. Seit der Einführung des Mindestlohnes hat sich die Differenz beim Verdienst zwischen Männern und Frauen um einen Prozentpunkt minimiert. Dieser beträgt seit Jahren über 20 Prozent.

Dokumentationspflicht für Unternehmen

Mit dem gesetzlichen Mindestlohn stehen Arbeitgeber teilweise in der Pflicht, die geleisteten Stunden ihrer Mitarbeiter zu dokumentieren. Dies betrifft alle geringfügig Beschäftigten und bestimmte Branchen aus dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz, wie das Bau- und Transportgewerbe oder Gaststätten. Unternehmen müssen die täglich erbrachte Arbeitszeit ihrer Belegschaft schriftlich festhalten. Die aktuelle Dokumentation sollte stets für eine eventuelle Zollkontrolle griffbereit sein. Das Meldeportal-Mindestlohn der Zollverwaltung steht Arbeitgebern seit Anfang des Jahres zur Verfügung. Es dient der digitalen Erfassung von Werk- oder Dienstleistungen ausländischer Arbeitskräfte in Deutschland und von Kräften, die ins Ausland entsendet werden.

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